European Vision, Adria/Ägäis
Reisebericht von Olaf Eichler


Warnungen und Gründe diese Fahrt nicht zu machen, gab es genügend. Die ominösen Viruserkrankungen in Griechenland, Terrorängste wegen möglicher Anschläge auf Kreuzfahrtschiffe, aber vor allem die unzähligen Stimmen mit überwiegend negativen Anmerkungen über Reisen mit Festival Kreuzfahrten im Internet und diversen Publikationen. Kostprobe: „...storniert diese Reise, auch wenn es Geld kosten sollte, sonst beißt Ihr Euch hinterher in den Allerwertesten.“

Nun denn, wir waren ausreichend gewarnt und sind trotzdem gefahren. Diese, für uns die 6. Kreuzfahrt, war in vielerlei Hinsicht eine Premiere. Zum ersten Mal mit Festival, erstmals ab/an Venedig und mit 58.000 Tonnen unser mit Abstand bisher kleinstes Schiff.

Das Einchecken in Venedig ging angenehm flott und unkompliziert über die Bühne. Mini Suite Bucher und Festival Wiederholungstäter wurden an einem eigenen Schalter abgefertigt. Beim ersten Betreten des Schiffes wurde mit dem Aktivieren der Festivalcard, die zugleich als Kabinenschlüssel dient, per Digicam ein Foto zur Identifikation des Karteninhabers gefertigt, welches beim späteren Verlassen und Betreten des Schiffes von den Securityleuten kontrolliert werden konnte. Die obligatorischen Taschen- und Personenkontrollen wurden recht sorgfältig durchgeführt.

Ein Steward nahm unser Handgepäck und führte uns zu unserer Kabine und schon eine Stunde nach Betreten des Schiffes hatten wir unsere Koffer wieder. Es lief alles wie am Schnürchen, wir waren angenehm überrascht.

Für 850€ pro Person bekamen wir eine hübsche Außenkabine, innen war man schon ab 650€ dabei. Kinder zahlen in der Kabine der Eltern 200€.

Kurze Orientierung auf dem Schiff, Lunch am Buffet auf Deck 11, denn 15.15 Uhr war die Seenotrettungsübung angesagt. Im Festival Newsletter hieß es dazu u.a.: “...antworten Sie laut und deutlich, wenn Ihr Name und Ihre Kabinennummer aufgerufen wird. Alle Passagiere, Kinder eingeschlossen müssen teilnehmen“.

Nun gut, zumindest an unserer Musterstation wurde auf die Kontrolle der Anwesenheit verzichtet.

Pünktlich 16.00 Uhr legten wir ab und nahmen bei herrlichem Wetter Kurs auf die Adria, vorbei an der zauberhaften Kulisse der Lagunenstadt Venedig. Es war traumhaft...

Mal ganz ehrlich, ich habe jetzt grad mal 4 Stunden auf dem Schiff beschrieben, wenn ich so weitermache sprengt es wohl erheblich den Rahmen des Zumutbaren. Beschränken wir uns also auf die Fakten...

Das Schiff, Baujahr 2001, hat alles was man von einem modernen Kreuzfahrtschiff erwarten kann: für die Größe des Schiffes ein sehr großzügiger Poolbereich, gute Aircondition, mehr als ausreichend die Buffetarea für alternatives Frühstück und Lunch, sowie 24h Pizza, Pasta, Ananas, Melone  & Co.

Kaffee, heißes und kaltes Wasser für die Teebeutel, Eistee und kalte Milch gab es dort im SB Bereich rund um die Uhr. Früh und Mittags zusätzlich verschiedene Obstsäfte (Orangen-, Grapefruit- und Ananassaft).

Im Restaurant war es auch zum Dinner kein Problem für die Kinder Apfelsaft zu bekommen. Bezahlen musste man dann aber für alles mit „booze & bubbles“. Für 19 €  können hier wiederum Kinder während der Kreuzfahrt unlimitiert Softdrinks (Cola, Fanta, Sprite...) konsumieren. Nichtalkoholische Cocktails sind von diesem Angebot allerdings ausgenommen und schlagen dann mit 4,40€ zu Buche. Desweiteren 1l Mineralwasser 2€, Faßbier (0,33l) zu 2,90€, Cocktails 4,40€ (Special of the Day für 3,30€) Glas Wein ab 3,50€, Prosecco ab 4,90€ und wenn es denn Champagner sein  muß, das Glas Moet et Chandon Brut gibt es schon für 7€ und die Flasche Dom Perignon für schlappe 98 €  zuzüglich 15% für den Barservice.

Ein Blick in den schon erwähnten Newsletter lohnt sich täglich, es gibt immer Happy Hours (2 Getränke für einen Preis u.ä.) , Sonderaktionen (z.B. 4 Bier für 10,90€ - ja ich weiß, da gibt’s zu Hause ´nen ganzen Kasten für ;o)), aber was soll´s.

Die Kletterwand wurde kaum genutzt und für eine Stunde Minigolf zahlt man 5€ pro

Person.

Apropos Geld ausgeben. Die angenehmste Art auf diesem Schiff sein Geld loszuwerden, ist zweifellos im Casino. Die weiblichen Angestellten sind ausgesprochen attraktiv und 2x die Woche ist Gala angesagt, da wird dann selbst dem coolsten Kesselgucker am Roulettetisch heiß. Auch jene Herren, die weder Black Jack noch Roulette etwas  abgewinnen können, sollten dann mal reinschauen. (Ich meine jetzt ins Casino und nicht in die tiefgeschnittene „Gala-Dienstkleidung“) Ich verliere mich aber schon wieder in Details ;o))

Die Route führte uns über Dubrovnik (zweifellos ein Höhepunkt dieser Kreuzfahrt), Korfu, Santorin, Rhodos, Piräus zurück nach Venedig. Die Preise für die Landausflüge reichen von 8€ für den „Shopping-Shuttle“ in Korfu bis zu 69€ für den Ausflug „Erleben Sie Santorini, mit leichtem Buffet“.

In Dubrovnik wird getendert, direkt zur Altstadt. Wir sind dann hoch zur Stadtmauer und haben diese umrundet. 12.00 mittags läuteten überall die Glocken, war wirklich toll. (Wir waren später in Dubrovnik eingetroffen...)

Korfu: Wir sind mit dem Taxi in die Stadt gefahren, 6€, und zurück gelaufen, kein Problem. Es gibt aber auch einen kostenlosen Shuttlebus direkt vom Pier, hatten wir aber erst später entdeckt :o(. Ist aber nicht von Festival, die wollen 8 € für den "Shopping Shuttle"

Santorin: wird getendert. Wir sind mit der Seilbahn hoch und am Abend zu Fuß die "Eselstrecke" wieder runter.

Rhodos: Schiff liegt direkt neben der Altstadt, Ritterstraße, Großmeisterpalast...

Athen hatten wir den Ausflug (Athen & Akropolis 49€ ) gebucht. Die Liegezeit ist einfach zu kurz und der Verkehr zu dicht um auf eigene Faust da was zu machen, ich hätte die 3h Stunden sicher schon gebraucht, um die Metrostation in Piräus zu finden ;o) War aber ordentlich gemacht, Dank an  Theo, viel Zeit auf der Akropolis, Stadion, Stadtrundfahrt...

Die positivste Überraschung war jedoch für uns und unseren Sohn (5) die Qualität des angebotenen Kinderprogramms. Ganz ohne Zweifel der Verdienst von Celine aus Frankreich, die mit den  Kindern im Alter von 3 bis 12 jede Menge unternahm. Insgesamt waren nur 36 Kinder an Bord, im Sommer sind es dann schon mal schnell bis zu 400.

Angefangen von Olympiade, über Schatzsuche auf dem Schiff, Pyjama-Party, Disco, 2x die Woche für eine Stunde kostenlos spielen an den Videospielautomaten.

Selbst die z.T. sehr guten Artisten in den abendlichen Shows traten tagsüber im Bambinoclub auf und zauberten, jonglierten oder tanzten mit den begeisterten Kids.

Als wir nach einer Woche dann bei strömenden Regen wieder in Venedig ankamen, wollte unser Kleiner eigentlich gar nicht so recht nach Hause, hatte er doch in dieser Woche viele neue Freunde gewonnen.

Man traut sich kaum es zu sagen, aber wir waren wirklich total begeistert. Lag vielleicht daran, daß wir auf das Schlimmste gefaßt waren. Die Preise sind natürlich die eine Sache, aber das Schiff ist super und das Kinderprogramm war absolute Spitze.

Ich kann nicht verhehlen, daß ich unter den Passagieren auch Stimmen gehört habe,  die meinten "sie wären die Woche um Jahre gealtert" ;o)) und es ist auch nötig über die ein oder andere Sache hinwegzusehen, die vielleicht manch anderer auf die Goldwaage legen würde. Ich denke da z.B. an die Bedienung im Restaurant, die bereitstehenden Gläser waren nicht poliert, das sah im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne recht unappetitlich aus. Und es war auch meist eine Überraschung, was denn nun serviert würde.  Manchmal passierte es durchaus, daß wirklich das kam, was geordert wurde. Aber, ich war einfach nicht in Stimmung, mir die gute Laune durch irgendwelche „vermeintlichen“ Unannehmlichkeiten verderben lassen zu wollen.

Es ist eben alles sehr subjektiv und hängt stark vom Empfinden und den Erwartungen  des Einzelnen ab. Wir behalten diese 7 Tage, das Schiff und Festival in angenehmer Erinnerung.



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