AIDAvita - westliches Mittelmeer
Reisebericht von Deahna


AIDAvita Schnupperfahrt 10.-12. Mai 2002

Ende Januar 2002 flatterte mir ein Newsletter über die AIDA ins Haus, den ich irgendwann einmal bestellt hatte. Nach einem ersten Überfliegen landete er schnell in meinem Ordner für Kreufahrzfahrten und war vergessen. Naja, ganz so vergessen war er dann doch nicht, denn irgendwann abends im Bett fiel mir ein, daß da irgendetwas mit Schnupperfahrten für die AIDAvita gestanden hatte. Schnupperfahrten?? Schnell war ich wieder aus dem Bett und hatte meinen Rechner angeworfen. Ja, ich hatte offenbar richtig gelesen. Vier Fahrten wurden angeboten, die erste ab Kiel, die anderen ab Hamburg. Ich dachte an meine Mutter und unsere Kreuzfahrtträume. Während sie unbedingt ab Palma fahren wollte und das auf der AIDA, träumte ich von einer Abfahrt ab Hamburg.
hier geht es zu den Infos und aktuellen Fahrten der Aida

Die vier Fahrten waren:
7. - 10. Mai: Kiel - Kopenhagen - Hamburg
10. - 12. Mai: Hamburg - Seetag - Hamburg
12. - 14. Mai: Hamburg - Seetag - Hamburg
14. - 16. Mai: Hamburg - Seetag - Hamburg

Aber teuer war das ja schon! Etwas frustriert machte ich den Rechner wieder aus und ging wieder in mein Bett. Doch der Gedanke ließ mich nicht los - wann würde man so etwas noch einmal bekommen??? Am nächsten Morgen habe ich dann auch sofort gebucht, ohne vorher meine Mutter zu fragen. Seit Buchungsbeginn waren inzwischen mehr als zwei Tage vergangen und viele Kabinenarten waren bereits ausgebucht. Aus Angst gar nichts mehr zu bekommen, zögerte ich nicht länger und entschied mich für eine Außenkabine mit Balkon. Wenn schon, denn schon!

Der 10. Mai kam endlich, und wir machten uns bereits morgens mit dem Zug auf den Weg nach Hamburg. Nach kurzem Bummeln durch die Stadt besuchten wir erst noch den Hafengeburtstag, bevor wir uns auf den Weg zum Schiff machten. Das Einchecken war eine Zumutung. Über eine Stunde standen wir in dem Zelt, das als Terminal dient, und es ging nur schleichend vorwärts. Das kannte ich von Palma anders! Ausweise wurden nicht kontrolliert, was mich insbesondere aufgrund der neusten Sicherheitszusagen von Seetours wirklich ärgerte. Was nützt es, wenn Seetours alle Mitarbeiter und Passagiere im Vorfeld genau prüft, wenn dann nicht einmal anhand der Ausweise kontrolliert wird, daß auch die entsprechenden Personen an Bord gehen?! Auch auf Schnupperfahrten können Unfälle und Attentate passieren! Schließlich lag das Einchecken hinter uns und vor uns der nächste Engpaß: Das Betreten des Schiffes. Zu Deck 6 war eine Gangway gelegt worden und die Sicherheitskontrollen fanden auf dem Außendeck statt. Es ging schleichend vorwärts und wir waren ziemlich entnervt, als wir nach gut 90 Minuten endlich im Inneren des Schiffs standen.

Im großen und ganzen erwies sich die AIDAvita im Inneren sehr ähnlich ihrer kleineren Schwester AIDAcara. Die Farben in den Kabinen sind mit quietschgelb, grasgrün und himmelblau im Vergleich eher aufdringlich als die gedeckteren Farben auf der AIDAcara, aber uns gefiel es trotzdem. Nach den vielen trüben Tagen war das eine echte Erfrischung! Ansonsten konnte man sagen, wer sich auf der AIDAcara auskennt, findet sich auch auf der AIDAvita wieder. Die Kabinengrößen und -aufteilungen sind nahezu identisch. Und daß unser Safe prompt nicht funktionierte, lag nicht an Seetours sondern an dem Gast vor uns. Der Techniker bemerkte grummelnd, daß das jetzt wohl schon das hunderste Mal war, daß er einen Safe wieder wecken mußte.

Auch die Deckaufteilungen sind denen der AIDAcara sehr ähnlich. Alles ist ein bißchen größer und die beiden Restaurants sind vertauscht, aber sonst muß sich der Wiederholer kaum umstellen. Eine Überraschung erlebte ich dann doch, als wir uns nach oben vorgearbeitet hatten: Der Poolbereich ist eine richtige Landschaft. Hier ist nicht zu übersehen, daß das Schiff einfach neu ist. Als die AIDAcara gebaut wurde, waren solche Poollandschaften noch nicht üblich. Wann wohl die AIDAcara umgebaut wird? Im Poolbereich war eine riesige Sektbar aufgebaut und auch wir genehmigten uns ein Glas. Mit dem Sektglas in der einen Hand und dem Fotoapparat in der anderen erkundeten wir die Außendecks, z.B. das neue Deck 12, das noch mehr Platz an der Sonne bietet.

Da wir erst spät an Bord gewesen waren, kam die Abfahrt schnell näher. Mein Traum ging in Erfüllung: Wir verließen Hamburg auf einem Kreuzfahrtschiff. Und meine Mutter war auch ganz glücklich: Wir waren an Bord einer AIDA und wir fuhren! Kurz nach Verlassen des Grasbrookhafens kamen wir an den Landungsbrücken vorbei, an denen der diesjährige Hafengeburtstag gefeiert wurde. Der Sprecher nahm sich die Zeit, die AIDAvita vorzustellen und ihr allzeit gute Fahrt zu wünschen. Die AIDAvita antwortete mit ihrer Schiffssirene, 3 Mal hintereinander. Der Beginn der Kreuzfahrt war für mich komplett und wieder einmal hatte ich Tränen der Rührung in den Augen. Wir blieben noch lange an Deck und genossen den Sonnenuntergang. Nach dem Essen kamen wir wieder herauf und blieben diesmal, bis wir die Elbe nach Cuxhaven verlassen hatten. Auf einer Landkarte und mit ein bißchen Raten verfolgten wir den Weg des Schiffes. Es war schon der nächste Morgen, als wir schließlich erschöpft in unsere Betten fielen.

Der erste und einzige komplette Tag auf der AIDAvita brach an. Graues Licht filterte durch die Vorhänge. Es war erst kurz vor Sieben, aber wir konnten trotz der langen Nacht beide nicht mehr schlafen. Gespannt öffneten wir die Vorhänge und sahen ... nichts! Wir befanden uns in dichtem Nebel. Selbst vom Balkon aus war das Ende des Schiffes nicht mehr zu sehen. Sichtweite also offenbar unter 200m. Aber noch etwas war nicht richtig: Wir bewegten uns nicht. Das Schiff dümpelte mitten im dichten Nebel irgendwo auf der Nordsee und trieb bei einer Geschwindigkeit von -0,1 kn offenbar leicht rückwärts. Unsere Position konnten wir anhand der Koordinaten (54°29.78 nördlicher Breite, 6°39.28 östlicher Länge) und einer Nordseekarte nur erahnen.

In der Hoffnung auf besseres Wetter gingen wir erstmal frühstücken. Lecker, so ein Büffet könnte ich jeden Tag haben. Leider hatte ich aus irgendeinem Grund Durchfall und konnte es nicht so richtig genießen. Nach dem Essen erkundeten wir noch einmal alle Außendecks, denn wir waren sicher, daß sich der Nebel irgendwann schon verziehen würde. Doch nichts dergleichen geschah. Die Maschinen nahmen gegen 9 Uhr die Fahrt wieder auf, aber der Nebel blieb stur. Gegen 10 Uhr informierte uns die Brücke über den Nebel und teilte mit, daß wir uns nördlich von Borkum auf dem Weg Richtung Holland befinden würden. Und auch wenn wir nichts sehen konnten, auf dem Radar sei jedes andere Schiff in unserer Nähe gut zu erkennen. Nun ja...

An diesem Tag fühlte ich mich wieder einmal an die Aussage "Wer auf der AIDA nicht satt wird, ist selber schuld!" erinnert. Nachdem wir andere AIDA-Fans getroffen und gegenseitig die Kabinen besichtigt hatten, begaben wir uns zum Frühschoppen. Das Freibier interessierte uns dabei nicht, aber meine Mutter hatte entdeckt, daß es Fischspezialitäten geben würde. Und so kam ich zum ersten Thunfischsteak meines Lebens. Ein bißchen trocken, aber sonst nicht schlecht. Wir beobachteten, daß manche Leute sich die Teller vollluden und dann die Hälfte stehen ließen. Was für eine Verschwendung! Leider wurde uns im Nebel beim Sitzen ganz schön kalt und wir zogen ins Marktrestaurant um, wo uns heißer Kaffee wieder aufwärmte. Nach einem Blick in den Shop fielen wir in der Kabine auf unsere Betten und schliefen eine Runde. Der fehlende Schlaf der vergangenen Nacht machte sich jetzt doch bemerkbar. Nicht einmal zur Clubtanzstunde konnte ich mich aufraffen, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte.

Auch für den Rest des Tages wollte sich der Nebel nicht verziehen und manch Blick auf das Schiff wirkte sehr geisterhaft und mystisch. So wurde aus der AIDAvita unser Geisterschiff. Nach einem Magen-Darm-Tee und ganz wenig Kuchen machten wir uns auf Suche nach fotogenen Motiven.

Da an diesem Abend bestimmt niemand etwas vorhatte, beschlossen wir, erst spät zum Essen zu gehen. Während wir uns umzogen, hatte ich den Eindruck, daß das Schiff irgendwie langsamer wird. Ein Blick in den speziellen Videotext bestätigte dies. Gegen halb Acht hatten wir denn wohl unsere "Parkposition" wieder erreicht und trieben nur noch langsam. Wir gingen zum Essen, wo wir nur mit Mühe noch einen Platz für zwei Personen fanden. An diesem Abend zog es niemanden nach draußen. Das merkte man auch bei der Show: Bereits eine Dreiviertelstunde vorher waren viele Plätze belegt und als wir später wiederkamen, blieben uns nur noch Stehplätze ohne Sicht auf die Bühne. Wir gingen wieder. Dafür waren wir dann auf Deck 6, als die AIDAvita um gegen 22h15 wieder die Fahrt aufnahm, um vorbei an Helgoland wieder in die Elbe zu gelangen. Bei 20,2 kn wehte uns der Wind kräftig durch die Haare.

An zweiten und letzten Morgen wachten wir noch früher auf als am Vortag. Es war noch nicht einmal halb Sieben, als in der Ferne bereits die Airbus Werke in Finkenwerder auftauchten. Da war es nicht mehr schwierig zu erraten, daß wir früher als geplant in Hamburg ankommen sollten. Schnell machten wir uns fertig und gingen frühstücken, so daß wir an Deck sein konnten, als die AIDAvita am Grasbrookhafen drehte und anlegte. Es waren vergleichsweise wenig Menschen an Deck, die meisten saßen wohl noch beim Frühstück. Und unten im Grasbrookhafen standen nur eine Handvoll Menschen, es mögen überwiegend Hafenarbeiter gewesen sein. Langsam schob sich die AIDAvita an den Kai heran und wir sahen von oben zu, wie der Abstand immer kleiner wurde und schließlich die Gangway auf Deck 6 angelegt wurde. Da standen doch wirklich schon Menschen mit Koffern, die es offenbar kaum erwarten konnten, vom Schiff zu kommen!

Ganz so eilig hatten wir es nicht und so begannen wir erst jetzt mit dem Kofferpacken. Viel hatten wir für die zwei Tage nicht dabei und nach einem Telefonat mit meinem Vater verließen wir die Kabine noch vor der offiziellen Auscheckzeit. Wir rechneten sicher mit ebenso einem Stau wie wir ihn beim Einchecken erlebt hatten, doch es ging alles ganz schnell. Ruckzuck waren wir vom Schiff und im Zelt. Und bevor wir so recht wußten, wie uns geschah saßen wir schon im Taxi zum Hauptbahnhof. Zeit, um leise vom Schiff Abschied zu nehmen, bleib nicht. Ein letzter Blick, dann war es für uns hinter Häusern verschwunden.

Einmal konnten wir das Schiff dann noch vom Zug aus sehen, dann war es endgültig aus unserer Sichtweite verschwunden. Trotz aller Bemühungen stoisch und gelassen zu bleiben, hatte ich einen ganz schön dicken Kloß im Hals. Dabei wußte ich, daß ich das Schiff nur fünf Tage später zum Beginn der Jungfernfahrt wiedersehen würde. Nicht als Passagier, nur als Besucher. Das hatten wir schon lange vor der Schnupperfahrt geplant und hatten beschlossen, es auch dabei zu belassen.

Am folgenden Freitag erwies sich mein Abschiedskummer von der AIDAvita doch als gar nicht so verkehrt. Wir hatten uns einen Platz im Hafen gesucht, von dem aus man die AIDAvita im Vorbeifahren gut hätten sehen können. Aufgrund einer Fehlinformation verpaßten wir das Schiff aber trotzdem. Denn als wir im Hafen standen und geduldig warteten, befand sich die AIDAvita wohl schon auf Höhe von Brunsbüttel, der Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal. Das gesamte Kurzwochenende im Hamburg hätten wir uns sparen können und mit Ärger und Enttäuschung im Bauch kehrten wir in unser Hotel zurück.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Kiel, wo wir die MS Berlin liegen sahen. Aber das war nicht geplant und ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Eine etwas ausführlichere Variante dieses Berichtes mit Fotos befindet sich auf meiner Homepage.


Fahrten durchs Mittelmeer auf anderen Schiffen finden Sie hier !!!
© Deahna