Liebe
Kreuzfahrer,
auf der Suche nach unserer diesjährigen Kreuzfahrt, die uns
einmal wieder in den Norden führen sollte, wandten wir uns
zunächst erneut an AW-Kreuzfahrten, mit denen wir im vergangenen
Jahr unsere hervorragende Fahrt auf der MS Costa Tropicale gebucht
hatten. Wir wollten nämlich mit der MS
Costa Marina "la deutsche Vita" erleben und mussten
unsere erste Negativerfahrung machen, da wir aus unerklärlichen
Gründen weder die MS Costa Marina noch die MS Flamenco von
Festival
Cruises bei AW buchen konnten. Auch bei drei anderen Online-Kreuzfahrtspezialagenturen
waren diese Fahrten in die norwegische Fjordlandschaft schon ausgebucht.
Also wandten wir uns von den Spezialisten ab und gingen zum Reisebüro
"um die Ecke" und welch´ Wunder geschah: diese netten
Menschen konnten uns einen Monat vor Beginn der Reise (3.-10. August)
noch eine Kabine auf der brandneuen MS A´Rosa Blu ergattern,
weil sich die kleinen Büros intensiver um die Kunden kümmern
als die anonymen Sachbearbeiter mit ihren Computern. Ein Glücksgriff,
den wir nicht bedauert haben, denn wir lieben es Kreuzfahrten zu
machen. Auf der Kreuzfahrt sind wir dann auch der MS
Costa Marina in Bergen und der MS
Flamenco in Kopenhagen begegnet. Beide Schiffe wirken im
unmittelbaren Vergleich mit der MS
A´Rosa wie Zwerge. Damit wären wir aber auch
schon bei einem gewichtigen Kritikpunkt. Für unseren Geschmack
und unsere Intentionen sind 1600 Passagiere an Board entschieden
zu viele. Selbst am letzten Tag sieht man noch Menschen, die man
nie zuvor gesehen hat. Auch kommen fast alle Gäste nur aus
Deutschland. Ein bunt gemischtes Publikum auf italienischen, französischen
oder amerikanischen Schiffen gefällt uns besser. Es schafft
eine größere Internationalität. Durch das sehr umstrittene
Konzept der Seetours-Reederei für dieses Schiff wird die Anonymität
noch weiter erhöht. Es gibt keine festen Essenszeiten, keinen
reservierten Tisch, kein Mitternachtssnack, kein Captain´s
Dinner und kein Abschiedsdinner. Ständig muss man sich einen
neuen Platz zum Essen suchen und kann manchmal nur mit viel Glück
einen ergattern, aber nie isst man mit denselben Menschen wieder
zusammen, was ja durchaus der Kommunikation förderlich sein
kann. Für diese Misslichkeiten wird man aber durch ein ganz
hervorragendes Essen teilweise entschädigt. Der stärkste
Hammer ist aber, dass es für 1600 Passagiere ein zwar wunderschönes,
aber nur 880 Plätze umfassendes Theater gibt, in dem man sich
um einen Patz für die einzige Vorstellung des Abends beinahe
prügeln muss, zumindest aber um 20.15 Uhr den Platz für
die um 21°° Uhr beginnende Show reservieren muss. Ein Skandal!!
Also fällt die Showtime für nahezu die Hälfte der
Passagiere aus. Ansonsten ist das Schiff großartig. Noch nie
war ich auf einem so ruhigen Schiff, wo man in den großzügig
bemessenen Kabinen (17,5 qm) häufig vergisst auf einem Schiff
zu sein, weil es so leise ist. Besonders hervorzuheben und einmalig
ist der riesige Spa- und Saunabereich, wie man seinesgleichen auch
nur sehr selten an Land in einem Hotel findet. Aber warum nur sind
die Mitarbeiter dort im SPARosa so genervt und unfreundlich? Liegt
es daran, dass sie aus Deutschland kommen? Bei manchen hat man das
Gefühl, sie würden noch für den FDGB oder die Treuhand
arbeiten und nicht für die Wünsche der Gäste zuständig
sein. Hinzu kommt noch, dass viele Mitarbeiter häufig uninformiert
sind, was darin gipfelte, dass einmal ein Crewmitglied sich bei
mir erkundigte, in welcher Richtung eigentlich der Bug des Schiffes
sei. Die Gäste werden auch im Unklaren über die jeweilige
Position des Schiffes gelassen. Es gibt zwar eine CruiseShow im
TV auf der Kabine. Der Maßstab der Karte ist allerdings so
klein, dass man kaum etwas, geschweige denn die präzise Position
darauf erkennen kann. Andere öffentlich zugängliche Monitore
an Bord gibt es nicht. Selbstverständlich können überall
Fehler passieren, aber die Art und Weise, wie damit umgegangen wird,
ist auf diesem Schiff nicht sehr kundenorientiert. Das Konzept für
die MS A´Rosa Blu ist noch nicht ausgegoren. Es ist kein richtiges
Clubschiff, dazu gibt es zuwenig Animation, aber auch kein richtiger
Kreuzfahrer, dazu hat man zu rigoros von den hergebrachten Kreuzfahrttraditionen
Abschied genommen. Also, das nächste Mal gehen wir wieder auf
ein kleineres Schiff. Vielleicht sogar auf eins mit nur 96 Gästebetten,
wie auf der MS
Sun Bay.
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