MS A´Rosa Blu - Fahrt: Norwegische Fjorde
Reisebericht von Peter Grebe
Liebe Kreuzfahrer,
auf der Suche nach unserer diesjährigen Kreuzfahrt, die uns einmal wieder in den Norden führen sollte, wandten wir uns zunächst erneut an AW-Kreuzfahrten, mit denen wir im vergangenen Jahr unsere hervorragende Fahrt auf der MS Costa Tropicale gebucht hatten. Wir wollten nämlich mit der MS Costa Marina "la deutsche Vita" erleben und mussten unsere erste Negativerfahrung machen, da wir aus unerklärlichen Gründen weder die MS Costa Marina noch die MS Flamenco von Festival Cruises bei AW buchen konnten. Auch bei drei anderen Online-Kreuzfahrtspezialagenturen waren diese Fahrten in die norwegische Fjordlandschaft schon ausgebucht. Also wandten wir uns von den Spezialisten ab und gingen zum Reisebüro "um die Ecke" und welch´ Wunder geschah: diese netten Menschen konnten uns einen Monat vor Beginn der Reise (3.-10. August) noch eine Kabine auf der brandneuen MS A´Rosa Blu ergattern, weil sich die kleinen Büros intensiver um die Kunden kümmern als die anonymen Sachbearbeiter mit ihren Computern. Ein Glücksgriff, den wir nicht bedauert haben, denn wir lieben es Kreuzfahrten zu machen. Auf der Kreuzfahrt sind wir dann auch der MS Costa Marina in Bergen und der MS Flamenco in Kopenhagen begegnet. Beide Schiffe wirken im unmittelbaren Vergleich mit der MS A´Rosa wie Zwerge. Damit wären wir aber auch schon bei einem gewichtigen Kritikpunkt. Für unseren Geschmack und unsere Intentionen sind 1600 Passagiere an Board entschieden zu viele. Selbst am letzten Tag sieht man noch Menschen, die man nie zuvor gesehen hat. Auch kommen fast alle Gäste nur aus Deutschland. Ein bunt gemischtes Publikum auf italienischen, französischen oder amerikanischen Schiffen gefällt uns besser. Es schafft eine größere Internationalität. Durch das sehr umstrittene Konzept der Seetours-Reederei für dieses Schiff wird die Anonymität noch weiter erhöht. Es gibt keine festen Essenszeiten, keinen reservierten Tisch, kein Mitternachtssnack, kein Captain´s Dinner und kein Abschiedsdinner. Ständig muss man sich einen neuen Platz zum Essen suchen und kann manchmal nur mit viel Glück einen ergattern, aber nie isst man mit denselben Menschen wieder zusammen, was ja durchaus der Kommunikation förderlich sein kann. Für diese Misslichkeiten wird man aber durch ein ganz hervorragendes Essen teilweise entschädigt. Der stärkste Hammer ist aber, dass es für 1600 Passagiere ein zwar wunderschönes, aber nur 880 Plätze umfassendes Theater gibt, in dem man sich um einen Patz für die einzige Vorstellung des Abends beinahe prügeln muss, zumindest aber um 20.15 Uhr den Platz für die um 21°° Uhr beginnende Show reservieren muss. Ein Skandal!! Also fällt die Showtime für nahezu die Hälfte der Passagiere aus. Ansonsten ist das Schiff großartig. Noch nie war ich auf einem so ruhigen Schiff, wo man in den großzügig bemessenen Kabinen (17,5 qm) häufig vergisst auf einem Schiff zu sein, weil es so leise ist. Besonders hervorzuheben und einmalig ist der riesige Spa- und Saunabereich, wie man seinesgleichen auch nur sehr selten an Land in einem Hotel findet. Aber warum nur sind die Mitarbeiter dort im SPARosa so genervt und unfreundlich? Liegt es daran, dass sie aus Deutschland kommen? Bei manchen hat man das Gefühl, sie würden noch für den FDGB oder die Treuhand arbeiten und nicht für die Wünsche der Gäste zuständig sein. Hinzu kommt noch, dass viele Mitarbeiter häufig uninformiert sind, was darin gipfelte, dass einmal ein Crewmitglied sich bei mir erkundigte, in welcher Richtung eigentlich der Bug des Schiffes sei. Die Gäste werden auch im Unklaren über die jeweilige Position des Schiffes gelassen. Es gibt zwar eine CruiseShow im TV auf der Kabine. Der Maßstab der Karte ist allerdings so klein, dass man kaum etwas, geschweige denn die präzise Position darauf erkennen kann. Andere öffentlich zugängliche Monitore an Bord gibt es nicht. Selbstverständlich können überall Fehler passieren, aber die Art und Weise, wie damit umgegangen wird, ist auf diesem Schiff nicht sehr kundenorientiert. Das Konzept für die MS A´Rosa Blu ist noch nicht ausgegoren. Es ist kein richtiges Clubschiff, dazu gibt es zuwenig Animation, aber auch kein richtiger Kreuzfahrer, dazu hat man zu rigoros von den hergebrachten Kreuzfahrttraditionen Abschied genommen. Also, das nächste Mal gehen wir wieder auf ein kleineres Schiff. Vielleicht sogar auf eins mit nur 96 Gästebetten, wie auf der MS Sun Bay.
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© Peter Grebe