European Stars - Fahrt: westliches Mittelmeer
Reisebericht von Christian Lex
Anlaufhäfen: Genua, Neapel, Messina, Tunis, Palma, Barcelona und Marseille

Hier nun mein versprochener Reisebericht zur European Stars:

Buchung: Traditionell im Reisebüro; Hat eigentlich sehr gut geklappt, lediglich war ich ein wenig beunruhigt, daß wir keine Bestätigung für unseren reservierten Parkplatz in Genua erhielten. Als dann pünktlich zehn Tage vor Reiseantritt im Reisebüro die Unterlagen da waren, war ich wieder ein wenig skeptisch, denn es stand keine Kabinennummer auf dem Voucher. Warum das so war, sollten wir dann auf dem Schiff feststellen. Bei den Reiseunterlagen war auch ein kleines Heftchen, in denen die angebotenen Landausflüge aufgeführt und kurz erklärt waren. Warum der Preis hier fehlte, ahnte ich schon.

Anreise / Check-In: Wir fuhren selbst mit dem Wagen nach Genua, fanden auch schnell den richtigen Pier (so riesige Schiffe kann man einfach nicht so leicht verstecken :o)) und waren dann erstmal überrascht. Der ganze Prozess mit Auto- und Gepäckübergabe, Check-In ging so schnell von statten, wie ich es mir nie gedacht hätte. Vielleicht lag es einfach auch daran, daß wir sehr früh dran waren und noch kaum Leute im Terminal waren. Die so entstandene Zeit nützten wir mit einem Besuch des nahegelegenen Aquariums, das zwar an diesem Sonntag von vielen italienischen Ausflüglern bevölkert war, aber seinen Besuch auf jeden Fall wert war. Vor allem mit Kindern kann ich es nur empfehlen! Ab 13.30 Uhr war dann Einlaß aufs Schiff und eine halbe Stunde später hat uns dann auch schon ein netter Steward in unsere Kabine gebracht. Jetzt war mir auch klar, weshalb wir wahrscheinlich keine Kabinennummer auf dem Voucher stehen hatten. Unsere gebuchte, billigste Kategorie war wohl überbucht und man hat uns dann Kabinen der nächsthöheren zugewiesen, zum alten Preis versteht sich natürlich. Diese befanden sich ziemlich mittig auf Deck 8, was den Nachteil hatte, daß man tagsüber ständig ein Geräusch und "Wummern" in der Kabine spürte und hörte. Es erinnerte an Waschmaschinen oder irgendwelche Turbinen. Genau unter uns befand sich ein Crew-Bereich, ohne genauere Bezeichnung was sich dahinter verbirgt. Naja, es sollte sich herrausstellen, daß dies abends immer aufhörte und sonst waren wir ja kaum auf unserer Kabine. Und selbst wenn, wäre es nicht so laut gewesen, daß es dauerhaft gestört hätte.

Das Schiff: Ich habe ja schon viele Schiffskataloge gewälzt und mich oft an dem bunten, amerikanischen "Las-Vegas-Stil" mancher Schiffe gestört. Die European Stars kann man hier wirklich (Gott sei Dank) nicht einordnen. Das zum Zeitpunkt unserer Reise noch nicht einmal zwei Monat auf See fahrende Schiff präsentierte sich bin ins kleinste Detail geschmackvoll und wohnlich. Unsere Kabine wurde durch viele Spiegeln optisch vergrößert und sonst beherrschte viel Holz die Einrichtung. Die öffentlich Räume waren wirklich alle sehr einladend. Auffallend waren auch die großen Außendecks. Allein der Poolbereich zog sich (das Outdoor-Cafe eingeschlossen) über mehr als ca. zwei Drittel von Deck 11. Dazu kamen noch weite Flächen auf Deck 12 und dem Sonnendeck darüber. Da ist das wunderbare Heck mit 8 frei begehbaren Decks noch gar nicht eingerechnet! Am Pool kam es trotz heftiger "Reserviererei" selten zu Liegenmangel. Was allerdings sich im Laufe der Reise als Problem herausstellte, war die Übersichtlichkeit. Vor allem mit unserem Deck, daß zwei sich aufs Ei gleichende Gänge besaß und die Aufzüge die in unterschiedliche Richtungen angelegt waren, verwirrten selbst uns junge Leute bis zum Schluß. Aber wie gesagt, allgemein ist das Schiff ein wunderschönes Exemplar seiner Klasse.

Das Personal: Hier wurden wir, wie so oft auf dieser Reise, positiv überrascht. Das Verhältnis Mitarbeiter/Passagiere scheint sehr großzügig zu sein, denn es waren bei Bedarf immer mehr als genügend zu Hand. Es herrschte eine deutl. Dominanz von asiatischem Personal und Mitarbeitern aus dem Ostblock, was aber hier wirklich nicht negativ zu sehen ist. Als Beispiel ist hier zum die Kabinenstewardess unserer Bekannten zu nennen, die zwei Mal täglich mit einer Liebe die Zimmer aufräumte und sauber machte, wie ich sie noch nie irgendwo erlebt habe. Oder auch unsere beiden Kellner im Restaurant. Sie hatten relativ wenig Gäste zu bedienen. Es waren dies zwei 8er und unser 4er Tisch. Das merkte man auch in der Betreuung, die sehr persönlich und aufmerksam war. So fiel dem Kellner schon am ersten Tag auf, daß meine Freundin Linkshänderin ist und servierte ihr das Essen ab diesem Zeitpunkt auch immer von Links. Diese Liste ließe sich wirklich fortsetzen. Die Kellner untereinander, auch mit den Oberkellnern und auch mit uns, pflegten einen sehr humorvollen, gutgelaunten und doch immer höflichen Ton, worüber wir sehr froh waren. Durch sie freuten wir uns immer auf ein 6-Gänge Menü ohne übertrieben steife Atmosphäre. Die Gute Laune setzte sich übrigens beim fast gesamten Personal fort. Wir waren am ersten Tag sichtlich irritiert über soviel freundliche und nett grüßende Gesichter.

Reiseleitung: Die einzige deutsche Hostess an Bord war überfordert und deshalb wohl auch desöfteren mal genervt. Trotzdem war sie immer da und half, wenn sie benötigt wurde. Sie versuchte zwar immer freundlich zu sein, was ihr aber bei den oft mäkelnden Deutschen nicht zu 100% gelang. Die Präsentation der Ausflüge durch eine andere deutsche Mitarbeiterin gleich zu Beginn war schlecht, das was uns da gesagt wurde, stand auch schon im kleinen Heftchen der Reisebroschüre.

Essen und Trinken: Auch vom Essen wurden wir überrascht. Eine solch hohe Qualität des Essens hatten wir nicht erwartet. Sowohl das Essen als auch der Service war vor allem beim Abendessen umwerfend. Die Speisekarte, die sich wohl wöchentlich wiederholt, bot eine verblüffend große Auswahl, daß einem dieselbe oft schwer fiel. Mir hat, obwohl ich manchmal in meiner Wahl auch etwas experimentierfreudig zu Werke ging, wirklich alles geschmeckt. Was zugegebenermaßen allerdings Geschmacksache ist. Ansonsten gab es fast 24h Obst, Pizza und Pasta. Das Frühstück konnte man entweder sich im Restaurant servieren lassen, oder sich am Büffett im "La Terazza" selbst holen. Wir haben immer letztere Möglichkeit gewählt, da man von jenem Restaurant einen wunderschönen Blick auf das Meer bzw. den Hafen hat. Das Mittagessen kann ich nicht beurteilen, da wir dazu nie auf dem Schiff waren. Ständig konnte man sich kostenlos an einer Theke mit Pulverkaffee, Tee's und heißem Wasser / Wasser mit Eis bedienen. Die Mitternachtsbüffets wechselten sich mit Gourmethäppchen ab, welche in allen Bars und öffentlichen Räumen nach 24 Uhr von Kellnern in Hülle und Fülle angeboten wurden. Auch an den nächtlichen Büffetts wurde ich mehrmals schwach, das Mexikanische Beispielsweise war herrlich.

Animation und Unterhaltung: Hier hat sich jeweils die vielsprachigkeit des Schiffes gerächt. Es ist einfach irgendwie langweilig, wenn die Fragen bei einem Quiz erst in fünf Sprachen vorgelesen werden müssen. Oder wir haben auch den italienischen Kalauerclown im Theater verständlicherweise nciht witzig gefunden, aber naja. Es störte aber nicht sehr. Die Latinoband an Bord war wirklich Klasse, die hörte ich echt gern. Wir hatten so auch "unanimiert" großen Spaß.

Die Preise: Das war der unerfreulichste Teil der Kreuzfahrt. Festival versucht scheinbar hier die relativ billigen Reisepreise wieder hereinzubekommen. Angefangen bei den Ausflugspreisen, die wie erwartet unverschämt hoch angesiedelt waren, über die Weinpreise (Flasche Wein 20 Euro bis 50 und höher!!) bis hin zu den Leistungen der Kosmetik- und Wellnessabteilung, dem Erinnerungsvideo (45 Euro, als Schnäppchen angepriesen)und vielen anderen Beispielen fiel uns die Preistreiberei der Reederei auf. Dagegen war im Restaurant die Literflasche San Pellegrino mit 1,90Euro oder der Cocktail des Tages mit 3,30 Euro billig bis normal. Unsere Antwort auf die erhöhten Preise war einfach, Angebote wie den erwähnten Cocktail, oder Happy Hour's oder das kostenlose Wasser zu nutzen und die Ausflüge selbst zu organisieren. Was immer super interessant, nicht teuer war und sehr viel Spaß gemacht hat. Lediglich Tunis war ohne organisierten Ausflug doch etwas abenteuerlich.

War die Reise schön? Ja natürlich. Das lag in erster Linie am wunderbaren Schiff, dem tollen Personal, der schönen Route, wobei Neapel und Palma unsere Favoriten waren!

War sie ihren Preis wert? Auf jeden Fall! Da wir auch noch den Frühbucherbonus von 15% pro Person nutzen konnten, und die billigste Kategorie gebucht hatten, kamen wir auf ein excellentes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Fazit: Ich würde die Reise jederzeit wieder machen. Entgegen den vielen negativen Meldungen über Festival-Cruises würde ich auch jederzeit wieder eine Reise mit dieser Reederei durchführen. Mal abgesehen von den teils hohen Preisen an Bord gab es wirklich nichts wesentliches zu beanstanden.

Ich hoffe, mit dieser ausführlichen Beschreibung allen Interessierten und zukünftigen "ES" Passagieren gedient zu haben. Letzteren wünsche ich einen wunderschönen Aufenthalt und gute Reise. Ihr könnt Euch freuen!

Bon voyage

Christian

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© Christian Lex