Olympia Voyager - östliches Mittelmeer -Griechenland/Türkei
Reisebericht von Gerd Wüsthoff

Ein typischer, griechischer Morgen. Strahlend blauer Himmel und klares, blaues Wasser. Aber diesmal sind es nicht die strahlend weißen Häuser, die sich von dem Hintergrund abheben. Es ist unser Kreuzfahrtschiff, die Olympia Voyager. Noch liegt sie friedlich im Hafen von Piräeus, dem Hafen von Athen, umringt von zahlreichen Schornsteinen und weißen Aufbauten anderer Schiffe, aber man sieht ihr ihre Schnelligkeit deutlich an. Kein massiges Schiff, eher schnittig und leicht. Ein Schiff, das mit seinen 28 Knoten eines der schnellsten Kreuzfahrtschiffe der Welt ist und der Stolz von ROYAL OLYMPIC CRUISES. Sie soll uns in eine mystische Reise durch Griechenlands Inseln und die Türkei entführen. Um uns auf die Kreuzfahrt einzustimmen sind wir bereits einen Tag eher angereist, haben uns Athen und einige Sehenswürdigkeiten angeschaut und in kleinen urigen Restaurants griechisch gegessen.
Bildrechte: Gernot Hänsch


Erholt wachen wir am nächsten morgen auf. Jetzt heißt es einchecken. Eine Taxifahrt zur Pier und schon stehen wir relaxt und voller Neugier am Terminal des Schiffes. Freundliche Mitarbeiter reichen uns zu unserer Überraschung einen Begrüßungscocktail. Zügig erledigen wir das Boarding, ein Gefühl fast wie am Flughafen. Holz, Marmor, Messing, dezentes Licht und freundlich lächelnde Stewardessen und Stewards empfangen uns in der Lobby, die uns unser Gepäck förmlich aus den Händen
"reißen", selbst eine kleine Tasche müssen wir nicht zu unseren Junior-Suiten tragen. Die erste Neugier wird positiv gestillt. Die Kabinen sind zwar nicht riesig, doch sehr geschmackvoll und praktisch eingerichtet. Ich fühle mich gleich wie zu Hause. Und auch das Bad, als erstes von mir inspiziert, ist hell, freundlich und sauber und wirkt keineswegs steril. Von mir aus kann es jetzt losgehen. Bordleben, Sonne, Meer und Wind. Über Nacht setzt sich die Olympic Voyager in Bewegung. Zum Schlafen ist es eigentlich viel zu schade, denn die vielen Unterhaltungsangebote am Schiff verlocken uns einfach zu sehr. Kino, Disco, Poolbar, Casino, … aber man möchte schließlich ausgeschlafen in Heraklion ankommen. Vor aller Vergnügung kam aber das wichtigste einer jeden Schiffsreise. Das Dinner. Nun saßen wir am Tisch, direkt am Panoramafenster und genossen den grandiosen Ausblick von Piräeus und Athen mit seiner Akropolis, wie es langsam immer kleiner wurde und ließen uns den ersten Gang servieren.
Da wir ja nun leidenschaftliche Genussraucher sind, hatten wir uns vor dem Hauptgang an Deck begeben, welches unseren Tischsteward verirrt nachfragen ließ, ob wir denn nicht mehr speisen wollten. Wir verneinten dies, und schon am nächsten Abend hatte er uns eine Pause zum Rauchen in der Speisenfolge eingeplant. Service! Wie auch unsere Weinstewardess am zweiten Abend nicht mehr fragen musste, wer denn bitte was als Aperitif trinken wollte. Gerade so als sei sie schon seit Jahren unsere Hausangestellten gewesen.
Am nächsten morgen erwache ich und ein Blick aus dem Fenster sagt mir, dass wir bereits im Hafen von Heraklion eingelaufen sind. Nach unserem Frühstück, bei dem wir die Qual der Wahl zwischen amerikanischem, englischem oder zentral-europäischem Frühstück sowie Frühstücksbuffet haben, gehen wir an Land. Heraklion selber wirkt zu erst einfach nur laut, uninteressant und hektisch. Aber die Reiseführer von Royal Olympics, die sehr qualifiziert und fundiert sind, bringen uns zum Palast von Knossos, der uns wieder ein atemberaubendes Kontrastspiel zwischen Himmel und Erde bietet, aber auch eine andere, längst versunkene Welt. Sandsteinfarbene Mauern, leuchtendrote Säulen und sattblauer Himmel. Heraklion liegt weit hinter uns. Und unglaublich, da lag auch der Faden der Ariadne, aber Moment, es war doch nur ein aufgeribbelter Pullover. Ein wenig ausgelaugt von unserem kleinen Ausflug am Morgen und der noch ungewohnten Hitze sind wir froh, am Nachmittag wieder an Bord zu gehen. Jetzt genießen wir, mit Blick auf das Meer, eine von den sieben Mahlzeiten die über den Tag verteilt angeboten werden. Lecker, diese fruit de mére.
Die Maschinen starten mit einem Zittern. 28 Kn, die bereit sind uns jetzt auf die Vulkaninsel Santorini zu tragen. Nachmittags laufen wir langsam in die Bucht hinein. Vor uns erheben sich 200 Meter hohe Felsen, in denen eine kleine Serpentinenstrasse wie hineingezeichnet wirkt.

Die kleine Straße, erst noch vom Schiff aus gesehen bringt uns nach Thera, der Hauptstadt von Santorini. Die Stadt bietet ein rustikales, griechisches Inselleben. Kleine Gässchen, weiße Häuser, viele urige Lokale und Restaurants. Eigentlich wirkt Thera in meinen Augen fast unecht, klein und gestellt. Aber die Atmosphäre vermittelt mir sehr schnell: Es ist echt! Ein griechisches Inselleben, in allen Facetten seiner Schönheit. Wir sind begeistert. Natürlich können die Ruinen der antiken Hauptstadt besichtigt werden, die durch einen Vulkanausbruch zerstört wurde, sowie die Kirche von Oia mit ihren großen blauen Kuppeln, aber es lohnt sich auch, einfach Rast auf einer Bank in einer Gasse zu machen und den Einheimischen und Touristen bei ihrem typischen Inselleben zuzuschauen.

Der Höhepunkt des Tages war jedoch alles andere als eine typische Sehenswürdigkeit. Es war ein griechischer Frappé, geeister Kaffee mit Milch, Zucker und einem Sahnehäubchen. Der Blick von den Klippen auf unser Schiff in der Abendsonne entschädigte uns für den horrend hohen Preis. Von Santorini aus macht sich die Olympic Voyager dann auf den Weg nach Katakolon. Am nächsten Morgen erwachen wir auf hoher See. Das bedeutet ein Frühstück, bei denen ich die Weiten des Meeres und die ersten Sonnenstrahlen genießen kann. Katakolon, eigentlich nur eine "Haltestelle", um das berühmte Olympia zu besuchen ist ein sehr kleines "Straßenhafendorf", dass jedoch eine unglaublich schöne Badebucht hat. Die sollte man nach dem Besuch der olympischen Städte auch unbedingt nutzen, alleine schon um sich den Staub
von Olympia abzuwaschen. Olympia selber ist scheinbar eine große Ansammlung von Steinhaufen, aber der erste Schein trügt. Die Atmosphäre wird sehr schnell durch die Erläuterungen unseres Guides geschaffen. Ich fühle mich wie ein kleiner Spion in der Welt der Antike. Spürbar ist es jedoch auch, dass es nicht immer nur um Gottes Segen gegangen ist, sondern auch um seinen Mammon.

Während wir uns abends wieder an Bord vergnügen, steuert der Kapitän sein Schiff Richtung Nauplia. Wir erreichen die erste griechische Hauptstadt am frühen morgen. Als wir Fuß gefasst haben merken wir schnell, dass uns jeder Schritt mit Geschichte konfrontiert. Gemütlich spazieren wir unter der alten Festung entlang, wobei uns alte Torbögen Ausblicke auf das Meer und die Olympia Voyager ermöglichen. Am Hauptplatz kann unheimlich gut gegessen werden, allein dort sitzen wir zwei Stunden und entspannen. Die kleinen Gässchen mit Geschäften finden sich auch hier wieder, jedoch verleiht die Promenade am Hafen der Stadt einen mondäneren Anstrich als in Santorini.

Gegen Abend verlassen wir die typisch griechische Atmosphäre und machen uns auf den Weg nach Rhodos. In dem sehr venezianisch angehauchten, uralten Hafen treffen wir passend zum Frühstück an Bord ein, und ich begutachte mit meinem morgendlichen Kaffe die Mauern der Altstadt, direkt über Rhodos/Stadt. Ein wirklicher Unterschied zu den kleinen, urigen Dörfern die wir vorher erlebt haben. Der große Platz ist umringt von mittelalterlichen Gebäuden, die große Einkaufsstrasse scheint schier unendlich. Wir machten uns mit unserem Reiseführer bewaffnet und den Erinnerungen aus früheren Reisen auf den Fußweg in die Altstadt. Für unsere unbedarften US amerikanischen Mitreisenden muss diese Altstadt wie die größte Freiluft Shopping Mall vorgekommen sein. Zumindest die Hauptstraßen quollen über von auf den Touristen ausgerichteten Shops und eben den Touristen. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß beim Einkaufen und dem Auffinden des Ursprünglichen, denn die kleinen, urigen Gässchen finden wir erst wieder außerhalb der antiken Stadtmauern. Rhodos verlassen wir um 14 Uhr.

Der erste Nachmittag auf hoher See. Neben den zahlreichen Bordaktivitäten steht heute etwas besonderes auf dem Programm: Die Wahl zum Mister Olympic Voyager. Sicherlich sehr unterhaltsam, aber wir ziehen es vor uns am Pool die Zeit zu vertreiben und im Fahrtwind mit unseren Handtüchern zu kämpfen. Nach einer Verschnaufpause in der Sonne quäle ich mich noch ein wenig im Fitnessraum, um danach den Höhepunkt des Abends zu erleben. Den Sonnenuntergang auf hoher See. Das gesamte Schiff erstrahlt in einem traumhaften gold-orange, einfach zu schön um wahr zu sein. Gute Träume sind nun eigentlich vorprogrammiert, aber schlafen mögen wir irgendwie auch nicht, denn um halb zwei morgens erreicht die Olympic Voyager die Dardanellen Strasse, auf die man doch wenigstens einen Blick werfen möchte.

Aufwachen am nächsten morgen. Sofort spürt und hört man, wir befinden uns in einer Millionen-Stadt. Nämlich direkt im Hafen von Istanbul. Laute Schiffssirenen wecken mich aus meinen Träumen, träumte ich etwa von der Ruhe Santorinis? Aber die Sehnsucht nach der griechischen Ruhe ist schnell vertrieben, denn Istanbul ist zwar laut und hektisch, aber unheimlich faszinierend. In den Basaren drängeln sich die Menschen um mit Händlern zu feilschen und sich mit Früchten und Stoffen beladen den Weg nach draußen zu bahnen, während die Gewürzhändler ihre Gewürze in Torbögen bis auf den letzten Winkel kunstvoll aufstapeln. Ein richtiges, orientalisches Treiben. Während wir die Hagia Sofia und die blaue Moschee besichtigen, begleiten uns die Gesänge der Muezzins. Die Moscheen sind wunderschön und beeindruckend. Ein Stück Geschichte. Der alte Sultansitz Top-Kapi nimmt einen beachtlichen Teil der Stadt ein und auf dem Istanbuler Hauptbahnhof genießen wir einen Hauch von Agatha Christi und wünschen uns klammheimlich, der Orient-Express würde einfahren. Ich ändere spontan meine anfängliche Meinung. Istanbul ist nicht groß, Istanbul ist riesig!

In der stockfinsteren Nacht verlassen wir den Hafen von Istanbul samt seinen tausend Lichtern. Und wieder, wie bestellt, bietet sich während unseres Dinners ein atemberaubender Anblick. Der bunt beleuchtete Top-Kapi Palast gleitet an uns vorbei. Oder besser, wir an ihm. Sultan hätte man seien sollen, diese Pracht!

Am nächsten morgen erwache ich in Kusadasi und kann mich freuen nach Ephesus zu fahren oder Pergamon zu besichtigen. Und zwar nicht wie im Berliner Museum das Gefühl zu haben, da zu sein, sondern wirklich da sein. Kusadasi selber hat ein schönes, altes Kastell und einen niedlichen kleinen Ortskern. An der Küste entlang ist Kusadasi jedoch sehr eng bebaut mit Hotels und Häusern, was ich eher kritisch begutachte. Ein wenig wie Benidorm.

Den Nachmittag verbringen wir erneut auf See. Die Olympic Voyager hat diesmal aber nur einen kurzen Weg vor sich. Zeitgleich mit den letzten Strahlen der bendsonne erreichen wir Mykonos, dass in ein göttliches Licht getaucht mit seinen Felsen im Meer erscheint. Der Sonnenuntergang verzaubert Mykonos. Der Beton zwischen den Natursteinen am Boden ist weiß, die Häuser sind weiß getüncht und die ganze Stadt strahlt im Licht, zwischen dem blaue Fensterfassungen oder blaue Balkone kleine Akzente setzen. Beeindruckt von der Schönheit dieser Stadt bummeln wir, begleitet von einem watschelnden Pelikan durch die Gassen. Auf Mykonos kann man zwar sehr gut einkaufen, jedoch nicht gerade preiswert, schließlich muss ja alles mit dem Schiff hierher gebracht werden. Pulsierendes Leben, schöne Menschen und reges Treiben in den Gassen bestimmen die Atmosphäre.

Bildrechte: Gernot Hänsch

Am Abend verlassen wir Mykonos leider, um uns auf den Rückweg nach Athen zu machen. Während die Olympic Voyager aus der Bucht gleitet, versinken langsam die Lichter von Mykonos im Meer, bis sie irgendwann ganz verschwunden sind. Der nächste Morgen bedeutet, das letzte Frühstück in der Gardenlounge und Abschied nehmen von unserem Zuhause der vergangen 7 Tage. Abschied nehmen von einem traumhaften Urlaub. Wenn sie weit weg von zu Hause ein Gefühl von Heimat erleben möchten, dann sollten sie die alte griechische Gastfreundschaft besonders auf diesem ultramodernen, aber zeitlos eleganten Schiff genießen.

Lena de Boer


© Gerd Wüsthoff